| Lieber frieren? |
| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Wo ist eigentlich dieser Klimawandel, der uns die ganze Zeit versprochen wird? Palmen auf dem Ku‘damm
, Cocktailschirmchen das ganze Jahr über? Das fragt man sich halt, bei—10 Grad und schlechter Laune. Oder war der Klimagipfel in Kopenhagen entgegen anderslautender Berichte doch ein voller Erfolg und der Eiswinter Obamas erfolgreiche Sofortmaßnahme? Anyway, Winter wird nicht mehr meine Lieblingsjahreszeit. Ich leide unter einer extremen Accessoire-Phobie. Mützen, Handschuhe, Regenschirme–alles schneller verloren als gekauft, allein der zeitweilige Besitz von dergleichen löst ein gewisses Unbehagen aus, weil ich weiß, dass das alles eh schneller wieder weg ist, als geplant Dies ergibt natürlich eine Wechselwirkung mit der Tatsache, dass man den Krempel auch nicht so schnell vermisst, wenn man ihn mal irgendwo stehen, liegen oder fallen lässt. Schirme geraten bei mir im Moment des Regenstops in sofortige Vergessenheit. Vielleicht ist‘s auch ein Trauma wegen des teuren Kaschmirschals, den ich vor Jahren von einer Freundin zu Weihnachten geschenkt bekam und ihre traurigen, vorwurfsvollen Augen an Silvester, die ich nicht vergessen kann, als das Stück längst an irgendeiner Garderobe abhanden gekommen war. Was wärmende Kopfbedeckungen angeht, sei hier noch mal angeführt, dass diese fast alle komplett scheiße aussehen. Doofe Wollkäppchen, in denen man aussieht wie ein Werftarbeiter oder Schiffskoch, sind nicht mein Ding. Lustige Kopfbedeckungen möchte ich vielleicht in einem Frauenarzt- und Manny Marc-Video sehen, aber nicht auf meinem Kopf. Und irgendwas mit Bommeln oder gar im Indiostyle raubt Männern wirklich jeden Rest der Würde. Auch Pelzkäppchen sind Panne–ich bin weder Russe noch Trapper. Mit der Joggingkapuzenjacke unterm Mantel mute ich zwar an wie jemand, der in Brooklyn neben einer brennenden Mülltonne steht, aber ab einer bestimmten Minus-temperatur ist‘s nicht mehr cool, mit verrotzter Nase so zu tun, als würden einem die Kälte nichts anhaben. Die ganze Misere wird dadurch verschärft, dass ich einen extremen Antifetisch habe: Die riesigen Schal-Monumente, die manche Zeitgenossinnen wintertags um ihre Hälse bauen. Da gilt folgender Leitsatz: Je größer der Rollkragen, desto hässlicher meist die Visage ihrer Trägerin. Man wirft mir vor, in dieser Hinsicht etwas unsachlich zu sein und empfiehlt mir stattdessen, mal lieber mit Frauen in blauen Mänteln mit Burberry-Schals auszugehen? Hier allerdings muss ich feststellen: Je karierter desto kleinkarierter... Also warten wir auf den Frühling.
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