| Promistoryphob |
| Geschrieben von Jürgen Laarmann | ||||||||
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Berlinalezeit. Promizeit. Damit auch immer wieder Zeit für schlechte Geschichten.
Zur traurigsten Geschichte gehört die Story meines Nachbarmädchens (15), die im letzten Jahr dachte, ihr Lieblingsstar (aus irgend einem Vampirunfug) wäre in der Stadt, und deswegen Schule und Klassenarbeit schwänzte, bei Minusgraden mit ihren Freundinnen vor einem Hotel herumlungerte (stundenlang), die freundlichen Erklärungen des Pagen (»der wohnt hier nicht«) für die perfekte Tarnung hielt (»so leicht lassen wir uns nicht abschütteln«), die Warterei für nix und wieder nix 48 Stunden durchhielt, anschließend Lungenentzündung bekam und dann auch noch von der Schule flog (verpetzt von Freundinnen mit geringerem Durchhaltevermögen). Man soll jedoch nicht meinen, dass die Geschichten besser werden je älter ihre Erzähler sind, im Gegenteil. Gerade bei Ex-Groupies über 45, die nach zwei Glas Sekt ihre gesamte Bohème-Vita durchdeklinieren (»Der Mick von Simply Red war im Bett doch besser als der Dave von Depeche Mode«). Nach fünf Sekt heißt es dann: »Ich war überhaupt diejenige, die Leonardo diCaprio davon abgehalten hat, seinem Leben ein Ende zu setzen, nachdem er solche Depressionen wegen seines Erfolgs hatte. Guck mal auf die letzte Sequenz von ›The Beach‹, als er da zwinkert, bin ich gemeint.« Immerhin, wer will das bestreiten? Spätestens, wenn es heißt »spendier mir noch ‘ne Flasche Schampus, dann erzähl ich dir, wie es mit Nicolas Cage wirklich war«, ist das häufig ein guter Moment, aus dem Gespräch auszuchecken. Promi-, V.I.P.-Raum- und After Hour-Latein muss ja nicht zwingend stimmen—Hauptsache, es ist unterhaltsam. Doch manchmal ist nicht mal das gewährleistet. Mit Gähngeschichten à la »Im Restaurant neben mir saß George Clooney und er war ganz natürlich, irgendwie hat er nur... ähem gegessen« sollte man lieber nicht kommen, genauso wenig wie mit stinklangweiligen »Wie es mir gelang, doch noch an ein V.I.P. Bändchen zu gelangen«-Stories, in denen zu viele Vornamen vorkommen und die immer so ähnlich anfangen: »Die Heike ist ja ‘ne Freundin von Bernd, der den Hugo von Warner kennt. Und so ein Zufall...« Im Kontrast zu den Groupies und Promianbetern gibt’s aber in Berlin auch jede Menge Menschen, die sich durch nix beeindrucken lassen. Hier der Kommentar meines Kioskmanns zu den avisierten Berlinale Stargästen Kim Cattrell und Pierce Brosnan. »Nu, ick kiek ja ooch nich die ›Reife Fraun ab Fuffzich‹-Spots im DSF und et wär ooch keine schlechte Idee jewesen, wenn se den Bond irjendwann mal doch erwischt hätte«
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